Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Zug (GGZ)
  
Der Erfolg basiert auf drei Säulen
  
Zum Abschied von Dr. Ueli Scheidegger –Ansprachen von Dr. Hansruedi Kühn
und Guido Speck an der Generalversammlung der GGZ im Juni 2005 
         
 Es fällt mir die Ehre und das Vergnügen zu, als Erster das Wort an den scheidenden Präsidenten zu richten. Ich möchte erzählen, wie die GGZ zu dieser glücklichen Fügung kam, als sie Ueli Scheidegger 1997 zum Präsidenten wählte.
  
Im Herbst 1996 war ich in einer misslichen Lage, eigentlich in der schwierigsten Klemme meiner ganzen GGZ-Zeit. Seit meinem Amtsantritt spürte ich – sobald das Wort GGZ fiel – eine begeisternde Kraft in mir. Wenn ich heute die Agenden durchblättere, sehe ich alle diesen Daten mit Besprechungen, Sitzungen vorbeiziehen, diese Protokolle, Rechnungen und besonders erscheinen alle diese engagierten Verantwortlichen und Mitarbeiter vor meinen Augen. 6 Jahre wollte ich das Präsidium ausüben – so habe ich mir vorgenommen und am Ende des 5. Jahres gelangte ich an den Vorstand in der Absicht der Nachfolgeregelung. Jedes Ressort war von einer erstklassigen Persönlichkeit besetzt und jede wäre fähig zum Vorsitz gewesen. Doch keiner war bereit! Da half meine Energie nichts: ich war in Sorge, besonders da ich mir sehr bewusst war, mit der GGZ etwas ausserordentlich Wertvolles in Händen zu halten, ein über hundertjähriges Gebilde, die Frucht von generationenlanger ehrenamtlicher Arbeit, verwoben mit dem kulturellen und sozialen Leben unseres Kantons – und nun das: kein Nachfolger!
  
Nach längerem Überlegen sass ich mit meinem Freund Heinz Fierz zusammen; er verbreitete Optimismus! Er war mein vertrautester Gesprächspartner; wir beschlossen weiter zu suchen, und zwar eine Persönlichkeit, die nicht nur die nötige Zeit und Hingabe aufbringen konnte, sondern auch unternehmerisches Denken, Management-Erfahrung und Kenntnisse im Finanzwesen aufwies.
  
Wir hatten Glück, als wir Ueli Scheidegger ansprachen: Er entsprach genau unseren Vorstellungen und wollte sich vorerst einmal informieren lassen. So besuchte ich seine Frau und ihn an einem Abend und legte die Anliegen, Tätigkeiten und Pläne unserer Gesellschaft dar. Ueli zeigte sich interessiert und wollte vorerst einmal die Atmosphäre schnuppern. Dies geschah im Frühjahr 1997 mit Besuchen von Sitzungen des Vorstandes und der Finanzkommission. Ueli zeigte sich angetan von der strukturierten und interessanten Tätigkeit und der Würfel fiel: Ueli sagte zu! Mit diesem Würfel fiel auch mir etwas vom Herzen, nämlich ein Zentnerstein. Mein lebhafter Dank begleitete seine Wahl und die nachfolgenden Jahre betrachtete ich mit innerer Genugtuung und Freude. Sie werden von Guido Speck geschildert.
  
Dr. Hansruedi Kühn
  
  
Von Hansruedi Kühn haben Sie gehört, wie Ueli Scheidegger zur GGZ kam. Ich darf mich jetzt unter dem Titel «Ueli der Präsident» mit seinem Wirken für die GGZ befassen. Die Wahl von Ueli Scheidegger anlässlich der Generalversammlung 1997 war ein eigentlicher Kaltstart. Ohne sich zuvor als Vorstandsmitglied aufgewärmt zu haben, ist er gleich zum Präsidenten unserer Gesellschaft gewählt worden. Wie wir heute wissen, war das für uns ein echter Glücksfall. Auch ohne Aufwärmphase hat er kraft seiner Persönlichkeit und dank den reichen Erfahrungen aus seiner beruflichen Tätigkeit sich sehr schnell in seine neue Aufgabe eingearbeitet und die GGZ anschliessend während sieben Jahren mit sicherer Hand und grossem Erfolg geführt.
  
Leider geht die Ära Scheidegger heute zu Ende. Das ist der richtige Zeitpunkt, um zurückzublicken. Während der siebenjährigen Präsidialzeit von Ueli Scheidegger hat sich die GGZ, die dieses Jahr ihr 120-jähriges Bestehen feiert, prächtig weiterentwickelt. Stellvertretend für Vieles möchte ich einige Meilensteine im Wirken von Ueli Scheidegger nennen:
  
• Zu Beginn seiner Amtszeit hat die gänzlich neu konzipierte Klinik Adelheid den Vollbetrieb aufgenommen, und zwar nicht mehr unter der direkten Leitung der GGZ, sondern über die Klinik Adelheid AG. Ueli Scheidegger hat als Präsident der GGZ und Verwaltungsrats-Vizepräsident der Klinik Adelheid AG massgeblich mitgeholfen, dass das Flaggschiff der GGZ als moderne Rehabilitationsklinik sich heute auf flotter Fahrt befindet und im stürmischen Wasser der Schweizer Spitalpolitik den richtigen Kurs hält.
  
• Die GGZ Arbeitsprojekte, die Ueli Scheidegger besonders am Herzen lagen und in deren Betriebskommission er mitgewirkt hat, sind in den letzten sieben Jahren den geänderten Bedürfnissen angepasst und organisatorisch optimiert worden. Neu hinzugekommen sind unter anderem das Zuger Lagerschiff Yellow, der GGZ Recycling Service Baar und der GGZ Büroservice.
  
• Ein weiteres besonderes Anliegen von Ueli Scheidegger war der Einsatz der GGZ für die Jugend. Die neu geschaffene Institution «GGZ Jugendprojekte» umfasst heute unser Engagement für den Märlisunntig und den Filmclub «Zauberlaterne», vor allem aber den Zuger Ferienpass, dessen Organisation die GGZ im Jahre 2001 kurzfristig übernommen hat und den es ohne uns heute wohl kaum mehr gäbe.
  
• Die GGZ hat sich unter Ueli Scheidegger aber auch in kulturellen Belangen profiliert. Hier ist vor allem das letztes Jahr zum 150. Geburtstag von Adelheid Page erschienene Buch «Adelheid - Frau ohne Grenzen» zu erwähnen. Für die Realisierung dieses Projektes hat sich Ueli Scheidegger besonders eingesetzt. Und es hat sich gelohnt! Dieses Buch hat in der ganzen Deutschschweiz grosse Beachtung gefunden und hat, was Ueli Scheidegger als gebürtigen Basler besonders freute, in der Region Basel zeitweise die Liste der meistverkauften Bücher angeführt.
  
• Ein grosses Anliegen von Ueli Scheidegger war es immer, das Wirken der GGZ einer breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen. Die GGZ hat deshalb auf seine Initiative hin im Mai 2001 auf dem Landsgemeindeplatz in Zug erstmals einen «Tag der GGZ» organisiert. Diese Veranstaltung ist auf sehr starkes Publikumsinteresse gestossen und hat damit ihren Zweck voll erfüllt.
  
Mit der Nennung dieser Highlights ist das Wirken von Ueli Scheidegger jedoch nur unvollständig gewürdigt. Für ihn stand nie der einzelne Anlass, die spezielle Aktion oder eine bestimmte Institution, sondern stets die GGZ als Ganzes im Vordergrund. Sein oberstes Ziel war es, im Sinne einer zeitgemässen Gemeinnützigkeit das Wirken der GGZ den aktuellen Bedürfnissen anzupassen. Zur Erreichung dieses Ziels hat er unter anderem die Führungsstruktur der GGZ, die ja eine Milizorganisation ist, optimiert. Noch an seiner zweitletzten Vorstandssitzung hat er uns an die drei Säulen erinnert, auf denen der Erfolg der GGZ basiert: Die GGZ hat viele treue Geldspender, sie hat über 70 ebenso treue Zeitspender, die ehrenamtlich für sie tätig sind, und sie hat über 200 fleissige Leistungsspender, die als Angestellte für sie arbeiten. Zu allen dreien muss sie Sorge tragen. Für ihn war deshalb immer klar, dass die Geldmittel, die uns gespendet werden, unseren Institutionen zur Erfüllung ihrer Aufgaben zukommen müssen und nicht für den Verwaltungsaufwand drauf gehen dürfen. Er hat deshalb zu Recht immer wieder darauf hingewiesen, dass Sparsamkeit und Kostenverantwortung das eigentliche finanzpolitische Credo der GGZ sind. Denn nur so ist sicher gestellt, dass unsere Geldquellen nicht versiegen und die GGZ auch in Zukunft ihre gemeinnützige Tätigkeit entfalten kann.
  
Die Ziele, die Du Dir gesteckt hast, lieber Ueli, hast Du mehr als erreicht. Im Rückblick auf Dein erstes Präsidialjahr hast Du im Geschäftsbericht 1997 unter anderem betont, dass Dir Dein Vorgänger, Hansruedi Kühn, ein wohlbestelltes Haus hinterlassen hat. Heute darfst Du mit berechtigtem Stolz feststellen, dass Du Deiner Nachfolgerin, Monika Gisler, ein ebenso tadellos geordnetes Haus übergeben kannst. Ein Haus, das entsprechend den heutigen Bedürfnissen praktisch und modern eingerichtet ist, sich baulich in einem tadellosen Zustand befindet und das vor allem nach wie vor auf äusserst solidem Grund steht.
  
Lieber Ueli, für Deine grosse Arbeit zum Wohle unserer GGZ danke ich Dir im Namen von uns allen ganz herzlich. Uns, die wir die letzten sieben Jahre mit Dir zusammenarbeiten durften, wirst Du fehlen. Wir werden Deine kollegiale und zugleich fordernde und inspirierende Art vermissen. Wie ein guter Coach hast Du uns immer wieder angespornt, aber auch motiviert, von Zeit zu Zeit über unsere Tätigkeit für die GGZ nachzudenken und dann allenfalls Zielkorrekturen vorzunehmen. Vor allem aber hat uns die Zusammenarbeit mit Dir grosse Freude bereitet.
  
Die GGZ beherbergt unter ihrem grossen Dach viele Institutionen. Ein Erfolgsgeheimnis der GGZ besteht im optimalen Zusammenwirken zwischen der Dachorganisation und den einzelnen Werken. Dieses Zusammenwirken, das dank Deiner grossen Leistung optimal funktioniert, möchten wir heute Abend speziell hervorheben, indem jede GGZ-Institution Dir mit einem für sie typischen Geschenk für die jahrelange sehr gute Zusammenarbeit dankt.
  
Hinter jedem erfolgreichen Mann steht bekanntlich eine starke Frau. Wir schliessen deshalb Vreni Scheidegger ganz speziell in unseren Dank ein. Liebe Vreni, ganz herzlichen Dank, dass Du Ueli während seiner strengen Präsidialzeit stets unterstützt hast, obwohl Du ihn wegen uns oft entbehren musstest.
  
Weil Ihr, Ueli und Vreni Scheidegger, grosse Opernfans seid, schenken wir Euch als weiteres Zeichen unseres grossen Dankes eine Opernaufführung an der Scala in Mailand mit allem Drum und Dran. Wir hoffen, dass dieser Kulturgenuss an diesem speziellen Ort Euch ein wenig für Euren grossen Einsatz für die GGZ entschädigt.
  
Ich habe am Anfang von einem Kaltstart gesprochen. Zum Glück endet die Tätigkeit von Ueli Scheidegger nicht so abrupt, wie sie begonnen hat. Wie es sich für einen vernünftigen Athleten gehört, läuft Ueli nun noch etwas aus. Er bleibt uns nämlich als Verwaltungsrat der Klinik Adelheid AG und als ehemaliger Präsident der GGZ als ständiger Gast an unseren Vorstandssitzungen erhalten.
  
Lieber Ueli, nochmals ganz herzlichen Dank und für die Zukunft alles Gute.
  
Guido Speck
    
  
  Home