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Gassenküche heisst neu «mittagsBEIZ»
Das andere Restaurant fürs schmale Budget
Der Regierungsrat hat an der Sitzung vom 9. Juli 2002 beschlossen, dem Gesuch um Weiterführung Gassenküche für die kommenden drei Winterhalbjahre zuzustimmen. Die Führung des Projekts wird den GGZ Arbeitsprojekten übertragen. Am 14. Oktober 2002 startet die Gassenküche unter dem neuen Namen: mittagsBEIZ .
Am 28. März 2002 ist die zweite Pilotphase der Gassenküche Zug zu Ende gegangen. Das Projekt wurde von der Gassenarbeit initiiert und in Zusammenarbeit mit der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Zug (GGZ) durchgeführt. Gegenüber der ersten Pilotphase zeigte sich im zweiten Betriebsjahr eine markante Steigerung der Besucherzahlen. Kamen im ersten Jahr täglich rund 9 Personen zum Mittagessen, so waren es im zweiten Jahr bereits doppelt so viele. 29 Personen besuchten die Einrichtung regelmässig. Eine Evaluation des zweijährigen Pilotprojektes erfolgte durch die Hochschule für Soziale Arbeit (HSA) Luzern. Der Bericht über die Evaluation vom 11. April 2002 empfiehlt die Institutionalisierung einer Gassenküche im Kanton Zug. Die Drogenkonferenz und der Regierungsrat des Kantons Zug haben diesem Begehren bis im Winter 04/05 zugestimmt. Die Verantwortung liegt neu bei den GGZ Arbeitsprojekten im Rahmen eines Leistungsauftrages des Kantons Zug. Joachim Eder, Regierungsrat sieht den Sinn und Zweck darin, dass die mittagsBEIZ , randständigen, suchtmittelabhängigen oder anderswie benachteiligten Personen sowie auch älteren, vereinsamten Menschen einen stabilen Aufenthalts- und Begegnungsraum und damit eine Tagesstruktur verschafft. Darüber hinaus bietet die Beiz ihren Gästen eine ausgewogene und gesunde Ernährung sowie niederschwellige Beratung und Betreuung an.
Namensänderung
Konzept und Standort der Gassenküche haben sich bewährt und werden für den definitiven Betrieb beibehalten. Geändert wurde allerdings der Name. Projektleiter Mick Baumgartner ist überzeugt, dass der neue Name mittagsBEIZ – das Restaurant für das schmale Budget – weniger stigmatisiert. In Anlehung an die bewährte Betriebsorganisation wird die mittagsBEIZ weiterhin durch Mick Baumgartner mit einem Halbjahrespensum von 85% geleitet. Die ehemaligen Initianten des Projekts, die Gassenarbeit (Mobile Jugendarbeit) wird die Klientenbetreuung im Rahmen ihres ordentlichen Auftrages weiterführen und den Treffpunkt mittagsBEIZ nutzen. Für die gastgewerblichen Arbeiten stellt die GGZ im Rahmen ihrer Arbeitsprojekte Personal zur Verfügung. Der Betriebskommissionspräsident der GGZ Arbeitsprojekte, Eusebius Spescha, ist überzeugt, dass das Schiff eine geeignete Lokalität ist. «Zum einen verfügt das Yellow-Boot über die notwendige Infrastruktur: Eine Küche, ein geheizter Essraum mit 25 Quadratmeter Fläche, ein Nebenraum und sanitäre Anlagen gehören zur Innenausstattung. Zum anderen liegt das Schiff über die Wintermonate im Hafen und ist unbenutzt.» Die mittagsBEIZ ist auf jene sechs Monate limitiert. In den Sommermonaten ist die Yellow wieder Lagerschiff und wird Schulklassen aus der ganzen Schweiz und Privatpersonen vermietet. Die Befristung einer institutionalisierten Gassenküche hat den Sinn, nebst der Möglichkeit von Nachevaluationen betreffend allfälliger Konzeptkorrekturen, Erhebung von Gästezahlen und Untersuchung der Gruppenzugehörigkeit der Gäste, zu prüfen, ob die mittagsBEIZ auch im Ganzjahresbetrieb zu günstigen Konditionen geführt werden könnte. Normalerweise werden die Gassenküchen in anderen Schweizer Städten ganzjährig geführt.
Günstige warme Mahlzeiten
Die Mittagsbeiz ist ab 14. Oktober 2002 bis 17. April 2003 von Montag bis Freitag von 11.30 Uhr bis 15 Uhr geöffnet. Am Sonntag und an Feiertagen ist die Beiz von 16 bis 20 Uhr offen. Täglich wird ein Menue zum Preis von Fr. 5.00 inklusive Getränke angeboten. Die mittagsBEIZ soll ein Ort sein, wo sich Menschen ungestört aufhalten können. Es wird jedoch viel Wert auf das Einhalten der Hausordnung gelegt. Dazu gehört das Verbot von Konsum und Handel mit Drogen und Alkohol. Dafür ist der Sozialarbeiter, Markus Baumgartner, der während den Sommermonaten stellvertretender Projektleiter der Yellow ist, zuständig. Er sorgt für die Durchsetzung von Hausordnung und Sauberhaltung der Aussenanlagen.
mittagsBEIZ – Das andere Restaurant fürs schmale Budget
Für wen: Günstig für Leute mit knapper Kasse
Öffnungszeiten von Herbst bis zu den Ostern wie folgt: Mo bis Fr 11:30 bis 15:30 Uhr, Samstag geschlossen, Sonntag 16:00 bis 20:00 Uhr
Wo: Auf dem Zuger Lagerschiff «Yellow»am Landungssteg Schützenmatt in Zug am See
Menuepreise: Fr. 5.00 inkl. Getränke
Die mittagsBEIZ ist eine Dienstleistung der GGZ Arbeitsprojekte (eine Institution der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Zug) und wird vom Kanton und den Zuger Gemeinden unterstützt.
Telefonische Auskünfte 078 639 83 40 (Mick Baumgartner, Projektleiter mittagsBEIZ)
YELLOW – das Zuger Lagerschiff – das Gelbe vom See
Auf Ende 1997 beschloss die Zugersee Schifffahrtsgesellschaft (SGZ) den Dienst des erst zwanzigjahre alten Motorschiffes MS Schwyz einzustellen. Die Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Zug (GGZ), welche seit 1884 die Verantwortung für das Gedeihen zahlreicher wichtiger Institutionen im Gesundheits- und Bildungswesen sowie im kulturellen und sozialen Bereich trägt, entschloss sich die ausgemusterte MS Schwyz mit dem Gedanken einer Umnutzung für ein Sozialprojekt zu kaufen. Namhafte Sponsoren und weitere Gönner haben die Idee unterstützt und das Geld für den Kauf bereitgestellt. Die Yellow ankert am Ufer des Zugersees in der Nähe der Badeanstalt „Männerbad“ vis-à-vis der Schützenmattturnhalle. 1998 erhielt das Schiff eine eigenen Steg. Der Künstler Tadashi Kawamata hat die Idee für das Steg-Projekt «platform for yellow boat» der Gemeinnützigen Gesellschaft gratis zur Verfügung gestellt. Der Stegbau wurde ebenfalls durch Sponsoren finanziert.
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Ausführungen von Regierungsrat Joachim Eder anlässlich der Medienkonferenz «Von der Gassenküche zur mittagsBEIZ » vom 7. Oktober 2002, 11 Uhr auf der Yellow-das Zuger Lagerschiff
Sinnvolles Engagement für Benachteiligte
In den Jahren 2000 und 2001 bewilligte der Regierungsrat der Vereinigung für Jugendfragen bzw. deren Institution Gassenarbeit die Durchführung von zwei Pilotprojektphasen einer Gassenküche im Halbjahresbetrieb. Die entsprechenden Betriebskosten gingen dabei zulasten des Fonds für wohltätige, gemeinnützige und kulturelle Zwecke. Mit Eingabe vom 17. April 2002 stellte die Vereinigung für Jugendfragen der Drogenkonferenz nun den Antrag, das bisherige Projekt Gassenküche als feste Halbjahres-Einrichtung auf drei Jahre befristet zu bewilligen, die entsprechenden Betriebskosten zu beschliessen und der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Zug die Trägerschaft zu übertragen.
Die Drogenkonferenz, der vier Mitglieder gemeindlicher Exekutiven und drei Mitglieder des Regierungsrates angehören und die von mir als Gesundheitsdirektor präsidiert wird, kam nach eingehender Beratung zur Überzeugung, dass dieser Antrag Unterstützung durch die öffentliche Hand verdient.
- Dabei waren folgende Überlegungen ausschlaggebend:
- Die Pilotphasen der Gassenküche während der letzten beiden Jahre hatten den Sinn, das latent vor-handene Bedürfnis nach einer Gassenküche mittels Bereitstellung eines entsprechenden Betriebes kon-kret und vertieft abzuklären. Beide Halbjahresbetriebsphasen wurden jeweils sorgfältig evaluiert. Gemäss Evaluationsbericht der Hochschule für Soziale Arbeit, Luzern, wurde in der zweiten Pilotphase ei-ne Gästezahl von durchschnittlich 15 Personen pro Werktag und 10,8 Personen pro Sonn- und Feiertag erreicht. Rund 29 Personen konnten als regelmässige Besuchende der Gassenküche eruiert werden Damit hat sich die Gästeschaft innert Jahresfrist beinahe verdoppelt – das Maximum für den Raum Zug dürfte damit allerdings noch nicht ganz erreicht sein.
- Die Gäste der Gassenküche konnten drei Personen-Hauptgruppen zugeordnet werden:
- Suchtmittelabhängige aus der Gassenszene
- Menschen mit psychischen Problemen
- Ältere, vereinsamte, sozial relativ unauffällige Personen, welche zumeist
eine IV oder Sozialhilfe beziehen
- Damit ist auch klar, warum sich die Drogenkonferenz mit diesem Antrag der Vereinigung für Jugendfragen zu befassen hatte: Rund 17 der 29 regelmässigen Gäste der Gassenküche können als «mit einem Suchtproblem behaftet» definiert werden. Ob dieser mehr als hälftige Anteil von suchtmittelabhängigen Personen auch langfristig bestehen bleibt oder sich dieses Verhältnis ändert, wird die Zukunft zeigen.
- Tatsache ist, dass viele randständige, suchtmittelabhängige und anderswie benachteiligte Menschen im öffentlichen Raum oder in den von ihnen bisher genutzten Restaurants aufgrund ihres Aussehens oder ihres Verhaltens tendentiell negativ auffallen, weshalb sie vertrieben oder mit Lokalverboten belegt werden. Sinn und Zweck von «Gassenküchen» oder eben Mittags-Beizen ist es, diesen Zielgruppen einen stabilen Aufenthalts- und Begegnungsraum und damit eine Tagesstruktur zu verschaffen. Darüber hinaus bietet eine Mittags-Beiz ihren Gästen eine ausgewogene und gesunde Ernährung sowie niederschwellige Beratung und Betreuung im Sinne von Kriseninterventionen und in der Bewältigung von Alltagsproblemen an. Gerade die zweite Pilotphase hat gezeigt, dass das Betreuungs- und Beratungsangebot in der Gassenküche durch die Gäste denn auch vermehrt in Anspruch genommen wurde.
- All diese angebotenen Massnahmen sind ohne Zweifel geeignet, die Lebens- und Gesundheitsbedingungen randständiger Menschen zu verbessern und im Bereich Sucht erneute Gassenbildungen zu verhindern. Deshalb macht es absolut Sinn, dass die öffentliche Hand die mittagsBEIZ als feste Halbjahres-Einrichtung bewilligte, die entsprechenden Betriebskosten beschloss und sich somit für eine Gruppe benachteiligter Mitmenschen engagiert. Es handelt sich hier aber – und dies betone ich speziell – nicht einfach um eine billige Szenenbeiz, sondern der Wille der Drogenkonferenz und des Regierungsrates geht ganz klar dahin, auch eine qualitativ gute psychosoziale Begleitung und Betreuung zu gewährleisten. Wir haben den Verantwortlichen zudem weitere Punkte mit auf den Weg gegeben: Breitere Abstützung in den Gemeinden, Ansprechen von zusätzlichen Zielgruppen, vermehrte Öffentlichkeitsarbeit, Sicherstellung der Legitimation dieser Einrichtung, Abklärung der Frage, ob mittelfristig ein Ganzjahresbetrieb notwendig ist. Die Befristung auf drei Jahre macht gerade unter diesen Gesichtspunkten Sinn, weil Zeit zur Verfügung steht, einiges neu zu bewegen und auch Antworten auf die angesprochenen Fragen geben werden können.
- Gerne benütze ich den heutigen Anlass, namens der Drogenkonferenz und der Regierung auch der Gemeinnützigen Gesellschaft Zug aufrichtig und öffentlich zu danken: Der Standort des Projekts «Gassenküche» auf dem Yellow Boat und die Betreuung und Bewirtschaftung des Angebotes durch Mitarbeitende der Gemeinnützigen Gesellschaft Zug (GGZ) hat sich in jeder Beziehung als Glücksfall erwiesen, so dass es naheliegend war, den nun institutionalisierten Betrieb mittagsBEIZ der GGZ als Trägerschaft zu übertragen. Privatrechtlich organisiert und durch über 60 freiwillig Tätige ehrenamtlich geführt, beschäftigt die GGZ rund 200 Personen und betreibt mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern insgesamt dreizehn verschiedenste Werke und Institutionen im Gesundheits- und im Bildungswesen sowie im sozialen und kulturellen Bereich. Sie alle sind in unserem Kanton, ja weit darüber hinaus zum Begriff geworden. Seit über 100 Jahren tätig, sieht sich die GGZ gemäss den Worten ihres gegenwärtigen Präsidenten Dr. Ueli Scheidegger einer zeitgemässen Gemeinnützigkeit verpflichtet – sie setzt die Kräfte und Mittel dort ein, wo heute echte Bedürfnisse bestehen. Sie ist – gestatten Sie mir diesen Ausdruck – im Sinne des Wortes eine überaus segensreiche Institution, die man schnellstens erfinden müsste, wenn es sie nicht gäbe. Als Gesundheitsdirektor bin ich froh, dass wir die mittagsBeiz dem grössten lokalen Sozialwerk in unserem Kanton, welches auch in der Bevölkerung sehr gut und stark verwurzelt ist, anvertrauen können. Ich danke Eusebius Spescha, dem Präsidenten der Betriebskommission GGZ Arbeitsprojekte, Guido Simmen, Projektleiter Yellow-das Zuger Lagerschiff und Mike Baumgartner, Projektleiter mittagsBEIZ für ihren engagierten Einsatz zugunsten benachteiligter und von der Armut betroffener Mitmenschen und bitte Sie, diesen Dank auch dem ganzen Vorstand der GGZ weiterzuleiten.
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