Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Zug (GGZ)
  
Ansporn durch Motivation und Überzeugungskraft
  
Ansprache von Markus Kündig zum Abschied von Dr. Paul Stadlin
an der Generalversammlung der GGZ im Juni 1991
Sehr geehrter Herr Dr. Paul Stadlin
Sehr geehrte Damen und Herren
   
Wenn ich heute als Vizepräsident der GGZ einige Worte des Dankes an unseren scheidenden Präsidenten richten darf, so tue ich dies gern und ungern gleichzeitig.
   
Ungern deshalb, weil die GGZ mit dem Ausscheiden ihres Präsidenten einen unermüdlichen Förderer und Inspirator verliert. Ich hoffe zwar, dass Paul Stadlin, so wie man dies im Sport nennen würde, noch einige Zeit auf der Trainerbank bleiben wird, um mit seinen guten Ratschlägen mitzuhelfen, die Zukunft zu gestalten.
   
Gerne tue ich es, weil es schön ist, jemandem zu danken, der den Dank durch unermüdlichen Einsatz verdient hat.
   
Paul Stadlin wurde vor 30 Jahren in den Vorstand der GGZ gewählt und hat während dreier Amtsperioden, also zwölf Jahre lang, als Nachfolger unseres unvergesslichen Dr. Robert Imbach das Ruder selbst geführt.
   
Für Paul Stadlin war Führen nie Befehl oder Zwang, es war immer Ansporn durch Motivation und Überzeugungskraft. Er hat allen im Vorstand, in den einzelnen Kommissionen, aber auch allen Mitarbeitern Vertrauen geschenkt und darauf aufbauend viel Gestaltungsfreiraum gelassen.
   
Er vergrösserte den Vorstand auf die scheinbare Unglückszahl von 13 Mitgliedern, und zwar mit Erfolg. Dadurch konnte er eine funktionstüchtige Ressort-Gliederung einführen.
   
Jedem unserer Werke steht eine Kommission vor und ist ein Vorstandsmitglied beigegeben. Dadurch konnte ein gewaltiges Pensum an Arbeit koordiniert erledigt werden.
   
Wenn wir einen kurzen Rückblick in die letzten zwölf Jahre machen, wird dies für alle Anwesenden viel besser sichtbar.
   
1982 mussten wir von riesigen finanziellen Nöten in der Abrechnung der Höhenklinik Adelheid in Unterägeri Kenntnis nehmen. Ein Loch, das nur noch mit Fr. 600 000.– aus dem Fonds-Vermögen, aus einem sogenannten «Fonds-Wunder», gestopft werden konnte. Dass dies Anlass wurde, um harte, lange andauernde und lange Zeit auch erfolglose Verhandlungen mit der kantonalen Sanitätsdirektion zu führen, versteht sich von selbst. Nach zähen Verhandlungen hat Dr. Paul Stadlin die Zukunft dieser tragenden Säule der GGZ sichern können.
   
1983 wurde die zukünftige Finanzpolitik der GGZ definiert und damit auch schon klar gemacht, dass unverzüglich weitere finanzielle Mittel beschafft werden mussten.
   
1984 feierte die GGZ ihr 100jähriges Bestehen. Eindrücklich konnte aufgezeigt werden, was private Initiative, gepaart mit Grossmut und Begeisterung zu leisten vermag. Die Idee Pauls, einen Jubiläumsfond zusammenzubetteln, wurde mit über 1,7 Mio. Franken belohnt. Allen, die dafür aktiv waren, besonders aber unserem Prasidenten, gebührt Dank.
   
1985 musste der Wechsel im Sekretariat von Herrn Franz Keiser zu Bernhard Weber organisiert werden.
   
1987 fand das 75jährige Jubiläum in der Höhenklinik Adelheid statt. Gleichzeitig setzten die Vorarbeiten für den Spitex-Bereich ein.
   
1988 begannen die ersten Turbulenzen in der Waldschule Horbach, die, so wage ich zu vermuten, die Nerven unseres Präsidenten sehr oft auf harte Probe stellten. Aber auch erfreuliche Nachrichten wie die Legate von Frau Popp und Herrn a. Nationalrat Dr. A. C. Brunner bereichern die Gesellschaftsannalen.
   
1989 fand eine erneute Umgestaltung des Sekretariates statt, das seither im Auftragsverhältnis von der Treuhandgesellschaft Werner Ulrich geführt wird.
   
1990 wurde das Vorprojekt für die Höhenklinik Adelheid der Kantonalen Sanitätsdirektion übergeben, nachdem der Kantonsrat dieses Spital in die Kategorie der subventionsberechtigten eingestuft hatte. Es ist wohl ein besonderes Verdienst unseres Präsidenten, dass am 15. März 1991 der Regierungsrat das Vorprojekt genehmigt und den Planungsvoranschlag mit 1,3 Mio. Franken festgelegt hat.
   
Natürlich müssten auch die andern Kinder der GGZ erwähnt werden, die in der Präsidialzeit von Paul Stadlin vielleicht nicht weniger Arbeit, dafür aber nicht soviel Wirbel ausgelöst haben.
  • Ich denke an:
  • – die neuen Statuten der GGZ
  • – die Beratungsstelle für Lungenkrankheiten und Tuberkulose
  • – das Freizeitzentrum Loreto und die Volkshochschule
  • – das Zuger Neujahrsblatt
  • – die Therapeutische Gemeinschaft Sennhütte
  • – die Darlehen an Eigenheimbesitzer
  • – die Starthilfe für die Stiftung Phönix u.w.m.
  • Lieber Paul!
       
    Ein so grosses Lebenswerk zu erbringen ist nur möglich, wenn man, wie Du es tatest, mit voller Überzeugung uneigennützig für eine wertvolle Sache einstehen kann.
       
    Du hast es immer wieder verstanden, Deine weitreichenden Beziehungsnetze zugunsten der GGZ auszuwerfen. Deine grosse Erfahrung als Anwalt und Politiker haben es möglich gemacht, dass ein grosses Ansehen an politischen Schranken nicht Halt macht. Du hast Deinen Vorstand mit allen politischen Schattierungen geschmückt – ein Schmuck, der ihm sehr gut ansteht.
       
    Du fandest auch immer das richtige Mass für gegenseitigen Respekt und die Rücksichtnahme. Kurz: Wenn es Dich nicht gegeben hätte, hätte man einen Paul Stadlin erfinden müssen.
       
    Im Namen des dankbaren Vorstandes möchten wir Dir, wie wir glauben, Deinen Neigungen entsprechend, 4 Bände der «Tableaux Topographiques» von Zurlauben überreichen.
       
    Dieses Werk von lokalhistorischem Einfluss, aber auch von nationaler Bedeutung, mag in einem gewissen Sinne auch eine Verbindung herstellen zu dem von Dir geschaffenen Werk «Die Parlamente der Schweiz», das Du als Morgengabe der Schweiz zum 700jährigen Bestehen geschenkt hast.
       
    Sicher darf ich im Namen aller Anwesenden, Dir lieber Paul, liebe Anerkennung und den herzlichsten Dank aussprechen.
       
    (Jahresbericht 1991, 8–10)

        
      
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