Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Zug (GGZ)
  
Sanatorium «Adelheid» – Übergabe an die GGZ
  
Bericht im «Zuger Volksblatt», Dienstag 21. Mai 1912
Das freudigste Ereignis, das unsere Gemeinnützige Gesellschaft je zu verzeichnen hatte, konnte sie letzten Samstag in Unterägeri feiern.
  
An sie ist das Sanatorium Adelheid bau- und betriebsfertig übergegangen. Eine grosse Zahl von Mitgliedern begaben sich per Automobil nach Unterägeri, um das wahrhaft königliche Geschenk entgegenzunehmen und zu besichtigen.
  
Auf der grossen Terrasse fand man sich zur Übergabefeier zusammen. Hier hatte man einen unvergleichlichen Ausblick über das ganze liebliche, im Frühlingskleid prunkende Aegerital.
  
Den feierlichen Akt der Übergabe leitete die edle Donatorin mit folgender Ansprache ein:

Herr Präsident der Sanatoriumskommission und der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Zug! Verehrte Anwesende!
  
Es ist mir eine grosse Freude, der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Zug heute die Schlüssel des Sanatoriums Adelheid zu übergeben. Die Errichtung dieser Heilstätte sollte es ermöglichen, in unserem Zuger Ländchen eine Krankheit zu bekämpfen, welche die Ursache vielen Elends ist. Da hier alle heilbringenden Mittel der Natur mit Wissenschaft und Aufopferung mitwirken werden, so dürfen wir uns wohl der Hoffnung hingeben, dass viele Kranke, die hier während ihrer Leidenszeit ein Heim gefunden, die Stätte geheilt verlassen werden, und froh und freudig ihre Pflichten als nützliche Mitglieder ihrer Familie und der Gesellschaft wieder aufzunehmen.
  
Wir hoffen durch Einführung der Korbflechterei den Kranken Gelegenheit zu geben, auch hier nicht ganz müssig zu sein, um ihnen auch nach Rückkehr in ihre Familie, wenn nötig, eine passende Beschäftigung verschaffen zu können.
  
Ich lege ganz besonderen Wert darauf, dass jeder in dieser Stätte, neben der Pflege seines kranken Körpers, auch seine seelischen Bedürfnisse frei befriedigen könne und ich hoffe zuversichtlich, dass Intoleranz oder konfessionelle und politische Zwistigkeiten die Schwelle des Sanatoriums nicht überschreiten werden.
  
Es erübrigt sich mir, allen Mitarbeitern meinen Dank auszusprechen: Die Herren Architekten Keiser und Bracher, die sich mit ihrem gewohnten Geschick und grosser Hingabe der Ausführung ihrer Aufgabe gewidmet, dem Unternehmer, Herrn Landis, dem Bauführer, Herrn Zeidel, der mit unablässiger Pflichttreue hier gewaltet, sowie allen Werkmeistern und Arbeitern, den Herren Schreiner Burkhardt, Schlosser Fritz Weber, Elektriker Bracher, Maler Emil Weber, Installateur Wickart, Gärtner Egli und den Herren Gebrüder Haberer, die hier wieder Zeugnis ihrer künstlerischen Tüchtigkeit abgelegt haben.
  
Ich kann nicht umhin, hier eines Mannes zu gedenken, der mir die Schwierigkeiten des Anfanges zu ebnen wusste und der Verwirklichung der Idee sich mit ganzer Seele hingegeben hatte, Herrn Dr.med. Hürlimann, den uns der Tod leider allzu früh entrissen hat.
  
Auch der kräftigen Mitwirkung des Herrn Dr. Merz, dem als dazumaliger Präsident der Gemeinnützigen Gesellschaft die grosse Last der ersten grundlegenden Arbeiten zugefallen ist, möchte ich hier dankbar gedenken.
  
Zu ganz besonderen Dank bin ich aber vor allem der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Zug und der zugerischen Frauenliga verpflichtet, welche die grosse Aufgabe und Verantwortung, den zweckmässigen Betrieb dieser Anstalt zu sichern, auf sich genommen haben. Ich hege die Zuversicht, dass sie die Aufgabe mit Freude fortführen werden, wie sie sie auch mit Freude aufgenommen haben.
  
Ich zweifle nicht, dass unter der geschickten Präsidentschaft des Herrn Dr. Stadlin-Graf, keine Arbeit noch Schwierigkeit scheuenden Präsidenten der Sanatoriumskommission, Herrn Dr. Imbach, der kundigen wissenschaftlichen Leitung des Herrn Dr. Knoll, der hingebenden Aufopferung der Schwestern des Heiligen Kreuzes, sowie dem Wohlwollen der Behörden, das Sanatorium, zum Wohl unserer engeren Heimat, seinen Zweck erfüllen wird.
  
Meine Aufgabe ist zu Ende. Ich vertraue nun auf den gesunden Menschenverstand und die Opferwilligkeit des Zuger Volkes, sich diese Stätte als heilbringend zu erhalten.
  
Herr Präsident der Sanatoriumskommission der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Zug! Im Namen der Familie Page habe ich die Ehre und die Genugtuung, Ihnen gemäss Schenkungsurkunde vom 23. April 1910, diese Anstalt betriebsfähig und betriebsfertig zum zweckmässigen Betriebe anzuvertrauen und durch die Tochter meines Sohnes die Schlüssel des Sanatoriums Adelheid zu übergeben.

Nachdem durch das Töchterlein des Herrn Generaldirektor Fred Page die Schlüssel der Anstalt Herrn Dr. Imbach, dem Präsident der Sanatoriumskommission, übergeben worden waren, nahm derselbe die Stiftung mit den Worten entgegen:

Hochgeehrte Frau Page! Hochgeehrte Gäste! Der Vorstand der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Zug hat mir als gegenwärtigen Präsident der Sanatoriums-Kommission die ehrenvolle Aufgabe übertragen, in seinem Namen das Sanatorium «ADELHEID» zu übernehmen und der Stifterin desselben dafür zu danken.
  
Es ist aber gar nicht möglich, für ein Geschenk, wie die neue zugerische Lungenheilstätte eines ist, entsprechende Worte des Dankes zu finden. An unserer Stelle werden danken für und für alle die armen Kranken, die in der neuen Anstalt Heilung finden von schwerer Krankheit. Vater oder Mutter hier oben an der sonnigen nebelfreien Halde befreit wurde von ihrem Lungenleiden; es werden stets dankbar der Stifterin gedenken die Eltern, deren Kinder hier genesen sind von einer Krankheit, die sie zu einem Krüppel zu machen drohte. Zu Dank verpflichtet sind aber nicht nur die Kranken, die hier Besserung und Heilung gefunden haben, nein auch die Gesunden, die scheinbar von der Anstalt keinen direkten Nutzen haben, sollen danken dafür, dass durch die Gründung dieser Heilstätte auch für sie die Gefahr der Ansteckung durch diese heimtückische Krankheit vermindert worden ist. Wir geben uns ja allerdings nicht der eitlen Hoffnung hin, dass durch das Sanatorium Adelheid nun die Tuberkulose im Kanton Zug binnen kurzer Zeit ausgerottet sein werde, es ist jedoch damit ein mächtiger Schritt zu ihrer Vernichtung getan.
  
Durch Isolierung der Tuberkulösen in einer Anstalt wird die Ansteckungsgefahr für die Umgebung behoben und es werden auch in solchen Krankenhäusern die Lungenkranken so erzogen, dass sie für ihre Mitmenschen später, auch wenn sie nicht vollständig geheilt sind, absolut keine Gefahr mehr bilden.
  
Es ist heute nicht meine Aufgabe, alle die Vorteile der Lungenheilstätten aufzuzählen, die wenigen Andeutungen mögen genügen die enorme Tragweite des Geschenkes von Frau Page zu beweisen.
  
Die Erfahrungen, die man in den letzten Jahren im Kampfe gegen die Tuberkulose gemacht hat, beweisen mit aller wünschbaren Deutlichkeit, dass die Volkssanatorien das mächtigste Heilmittel sind, zur Vernichtung jener Volksseuche, die auch bei uns so viele Opfer fordert; ist doch im Kanton Zug jeder 7. Todesfall durch Tuberkulose verursacht. Ohne die grossartige Stiftung von Frau Page wäre aber für unser kleines Zugerländchen die Errichtung einer Lungenheilstätte ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Durch die werktätige Menschenliebe dieser Frau sind wir besser gestellt, als die anderen Kantone der Schweiz. Wir sind im Besitze einer Anstalt, in der Schönheit und Zweckdienlichkeit in glücklicher Lösung mit einander vereinigt sind, dank des ästhetischen Sinnes von Frau Page und des ihr angeborenen Talentes in der Baukunst. Es wird uns möglich sein, mindestens 32 Erwachsene und 8–10 Kinder, in unserer Heilstätte unterzubringen, was mit Rücksicht auf unsere Bevölkerungsziffer eine Bettenzahl ist, wie sie kein anderer Kanton aufweist.
  
Meine Damen und Herren! Gestatten Sie mir, dass ich auch dankbar diejenigen erwähne, die bei der Organisation unserer Lungenheilstätte ganz besonders mitgearbeitet haben. Ich muss sie in erster Linie an unsern allzu früh verstorbenen Herrn Dr. Hürlimann erinnern, der mit unbeschreiblicher Freude und Begeisterung mitgeholfen hat, das grosse Werk von Frau Page zu fördern. Eine grausame Fügung des Schicksals hat den edlen Menschenfreund den heutigen Tag, an dem einer seiner Wünsche nun verwirklicht ist, nicht erleben lassen. Nicht vergessen wollen wir auch die grossen Verdienste des aus unserem Kanton weggezogenen Herrn Dr. Merz, der als Präsident der Gemeinnützigen Gesellschaft und als Präsident der Sanatoriumskommission mit grossem Erfolg und Geschick die ersten organisatorischen Arbeiten der zugerischen Lungenheilstätte besorgte. Zu grossem Dank verpflichtet sind wir auch dem jetzigen Präsident der Gemeinnützigen Gesellschaft und allen Mitarbeitern der Sanatoriumskommission, die hoffentlich auch in Zukunft stets alle ihre Kraft einsetzen für das Gedeihen der neuen Anstalt.
  
Die zugerische Gemeinnützige Gesellschaft hat den Betrieb des Sanatoriums Adelheid übernommen und will es gemäss den Wünschen seiner Gründerin zu einer wahren Volksheilstätte machen. Der erste Paragraph der Statuten unserer Anstalt bestimmt, dass in erster Linie unbemittelte und wenig bemittelte tuberkulosenkranke Personen aus dem Kanton Zug hier Aufnahme und zweckentsprechende Verpflegung finden sollen. Jene Hilflosen, die unverschuldet durch die weitverbreitete Volksseuche in Unglück und Elend geraten, sollen hier ihr einziges und höchstes Gut, die Gesundheit, wieder erlangen.
  
Das ist der hehre soziale Gedanke, der der Stiftung der Frau Page innewohnt; damit wir denselben verwirklichen können, haben wir aber die tatkräftige Unterstützung aller edelgesinnten Frauen und Männer im Kanton Zug nötig. Ich bin davon überzeugt, dass es nie an Hilfe fehlen wird und dass der in der Entwicklung und Arbeit der zugerischen Frauenliga zur Bekämpfung der Tuberkulose zum Ausdruck gekommene zugerische Opfersinn sich auch dieser Wohltätigkeitsanstalt stets annehmen werde.
  
Daher glaube ich mit vollem Recht unserer verehrten Wohltäterin das Versprechen abgeben zu können, dass die Behörden und das Volk des Kantons Zug stets dafür sorgen werden, dass das Sanatorium Adelheid eine Stätte wahrer, werktätiger Nächstenliebe sein wird.
  
In diesem Sinne übernehme ich im Namen der zugerischen gemeinnützigen Gesellschaft die neue Lungenheilstätte.

Beim Rundgang durch das Sanatorium wuchs mehr und mehr unser Staunen, die allgemeine Verwunderung und Freude über die ganze zweckmässig und chic eingerichtete Anlage.
  
Im Hotel zum Seefeld fand während des vorzüglich servierten Abendessens der zweite Teil der Feier statt. Der Präsident der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Zug, Herr Nationalrat Dr. Stadlin-Graf, gab seiner Freude Ausdruck über das grosse Glück, das dem Benjamin der schweizerischen Kantone durch die hochherzige Stiftung zugekommen. Einem so kleinen Staatswesen, wie dem Kanton Zug, wäre es von sich aus, gewiss nicht möglich gewesen, eine solche Anstalt zu schaffen. Im weitern erinnerte der Redner an die Aufgabe der Gemeinnützigen Gesellschaft, des Zugervolkes und seiner Vertreter des Kantons, welche diese Stiftung neu geschaffen; an die Pflege des gemeinnützigen Sinnes in der Unterstützung des Anstaltsbetriebes. Dabei möge auch die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (die bei der Feier durch eine Delegation der Herren Oberst Schulthess von Rechberg und Altpfarrer Wachter vertreten war), ihren Schild schützend über das kleine Zug halten. Herr Oberst von Schulthess-von Rechberg hob die Erfolge der Sanatorien, speziell desjenigen von Wald hervor, und hofft zuversichtlich, dass auch das Sanatorium Adelheid, das bezüglich Lage und Einrichtung einzig dastehe, zum grossen Segen gereichen werde. Als Vertreter der hohen Regierung sprach Herr Dr. Herrmann. Er wies auf den klassischen Boden neben Morgarten hin. Wie dort die Eidgenossen gegen ihren mächtigen Feind gekämpft hätten, sei nun durch die Errichtung des Sanatoriums Adelheid Aegeri zum Kampfplatz gegen den heutigen mächtigen Feind der Gesundheit, die Tuberkulose, geworden. Herrn Landammann Merz hob hervor, wie Unterägeri als unbemittelte Gemeinde nicht das zu leisten vermöge, was ihr eigentlich zu tun zukomme. Was aber in ihrem Vermögen liege, werde sie gerne tun, namentlich in der Verbesserung der Zugänge zum Sanatorium.
  
Herr Korporationspräsident Alois Weiss wusste die hohe Ehre zu würdigen, welche der Stadt Zug zukommt, indem die Stifterin des für den Kanton Zug so segensvollen, gemeinnützigen Werkes aus ihren Mauern hervorgegangen ist.
  

  
  Website der Klinik Adelheid
  
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